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21.7.2003
Gestörte Liebe
Italien-Deutschland ?
Die Wellen schlugen hoch: Erst der Konflikt im Europaparlament, dann der Urlauberstreit. Und dann die Absage des deutschen Bundeskanzlers. Kein Urlaub in Pesaro dieses Jahr ! In demselben Pesaro habe ich als Kind diverse Urlaube verbracht, zusammen mit meinen Eltern und meinen zwei Geschwistern. Da gibt es noch schöne Photos im Familienalbum, wie wir mit unserem VW Käfer hinuntergefahren sind. Später sind wir dann bis in den Gargano weitergefahren. Und noch später führten die Familienausflüge auf die andere Seite, in die Nähe von Grosseto und nach Sperlonga. Auch die Abiturfahrt hatte Italien zum Ziel: Unser Weg ging über Florenz bis nach Neapel. In Florenz übergab sich einer aus unserer Klasse aus dem Hotelfenster. Zuviel Alkohol. Aber die Italiener schlagen auch manchmal über die Stränge, wenn sie in Horden zum Oktoberfest nach München kommen… Dieser Tage wurde in Berlin die italienische Botschaft wiedereröffnet, direkt am Tiergarten, neben der japanischen Botschaft. Die frühere politische Achse Deutschland-Italien-Japan zeigt sich in der repräsentativen Lage und Bauweise dieser Botschaften. In der aufwändig restaurierten italienischen Botschaft erinnert noch ein kleiner, symbolischer Haufen Bauschutt an vergangene Zerstörungen. Auch das sehr aktive italienische Kulturinstitut in Berlin, das bisher am Anhalter Bahnhof residierte, zieht ins Botschaftsgebäude um. Nur ohne seinen Leiter: Ugo Perone ist von seinem Posten abberufen worden, weil er bei der italienischen Regierung in Ungnade gefallen ist. Angeblich habe er an einer Demonstration gegen die Berlusconi-Regierung teilgenommen, was er allerdings bestreitet. Und es wurde ihm zur Last gelegt, dass auf der Berlinale ein Dokumentarfilm über die Ausschreitungen beim G8-Gipfel in Genua zu sehen war, was er überhaupt nicht beeinflussen konnte. Unbestritten sind die Verdienste Perones um die Darstellung italienischer Kultur in Berlin. Die vor kurzem erst beendete Veranstaltungsreihe „La dolce vita" war ein sehr gut besuchter Erfolg. Sein einzig wirkliches Manko jedoch schien zu sein, noch von der vorhergehenden Mitte-Links-Regierung ernannt worden zu sein, und somit zum verhassten Lager der „Linken" zu zählen. Das wirft ein bezeichnendes Licht auf die heutige politische Situation in Italien. In Deutschland wurde einer breiten Öffentlichkeit erst durch die dünnhäutige Reaktion des italienischen Ministerpräsidenten auf die Kritik des deutschen Europaabgeordneten Schulz bewusst, mit welch autoritären Methoden zur Zeit in Italien regiert wird. Und wie hart dort die politische Auseinandersetzung geworden ist. Das jetzt wiedereröffnete Gebäude der italienischen Botschaft in Berlin erinnert daran, dass es auch in Italien einmal eine autoritäre Diktatur gegeben hat. Gewiss gibt es einige gravierende Mentalitätsunterschiede zwischen Deutschen und Italienern. Der Deutsche geht in ein Geschäft, verlangt eine Ware, bezahlt und geht wieder hinaus. Der Italiener geht hinein, und redet und redet, und dann kauft er, und dann redet er wieder. Die direkte deutsche Art wird als unkultiviert und unhöflich empfunden. Offene direkte Kritik kann ein Italiener nicht so gut ertragen, da er lieber kompliziert und in einigen Winkelzügen verklausuliert, was er eigentlich will. Auch herrscht in Italien ein größerer Zusammenhang in Gruppen. Als ich einige Zeit in Rom gelebt habe, war ich Mitglied des örtlichen Wandervereins „sentiero verde". Dort trafen sich Privatleute mit ihren Autos und brachen zusammen unter der Leitung eines erfahrenen Bergsteigers ins herrliche Bergland in der Nähe von Rom auf. Zuerst stoppte die Gruppe gemeinsam zum Frühstückskaffee, dann brach sie gemeinsam zur Bergtour auf, dann fuhr sie gemeinsam wieder zurück und war sogar noch beim Abendessen zusammen. In Deutschland hätten sich längst einige Mitglieder der Gruppe selbständig gemacht, weil ihnen die Gruppenprozeduren zu langwierig geworden wären. Auch im Arbeitsleben ist die Zugehörigkeit zu einer bedeutenden Familie oder einflussreichen Gruppe wichtiger als in Deutschland. Mehr noch als hierzulande braucht man die richtigen Freunde, um weiterzukommen. Auch geben Italiener mehr für gutes Essen und elegante Kleidung aus. Manches in der italienischen Verwaltung funktioniert schlechter als bei uns, obwohl da auch bei uns nicht alles perfekt ist. Auch in Deutschland wird zuweilen geschludert und unordentlich gearbeitet. Doch bei der jetzigen Auseinandersetzung geht es meiner Meinung nach nicht so sehr um diese Mentalitätsunterschiede. Es geht darum, ob Kritik am italienischen Ministerpräsidenten Berlusconi erlaubt ist oder nicht. Denn auf Kritik wird mit massiver Einschüchterung geantwortet. Jetzt versteht man auch in Deutschland besser, welche Auseinandersetzungen sich in der italienischen Innenpolitik abspielen. Die europäische Auseinandersetzung mit Berlusconi hat aber einen wichtigen Unterschied: Die europäischen Medien können unabhängig über Italien berichten. In Italien ist ja ein Großteil der Medien inzwischen im Einflussbereich des Ministerpräsidenten. Das wirft die Frage auf, ob Demokratie funktionieren kann, wenn die Regierung eine Kontrolle über die wichtigsten Medien hat. Umso wichtiger erscheinen in diesem Zusammenhang unabhängige, kritische Kommentare aus dem europäischen Ausland. Europäische Medien und auch sich kritisch äußernde Politiker können nicht so lakonisch und teilweise zynisch abgefertigt werden, wie es in Italien inzwischen üblich geworden ist. Die deutschen Urlauber werden sicherlich weiter nach Italien fahren. Denn Italien ist und bleibt ein schönes, sehr interessantes Land mit vielen liebenswerten Menschen und einzigartigen Kulturgütern. Urlauber sind meist nicht an der politischen Situation des Landes interessiert, das sie bereisen. Zu kurz ist die im Gastland verbrachte Zeit, und zu unterschiedlich ist die Lebenssituation des Urlaubers von denen, die permanent in einem Land leben und arbeiten. Die öffentlichen Auseinandersetzungen haben die Deutschen aber für die politische Situation in Italien sensibilisiert. Über die Wahl ihrer nächsten Regierung werden die Italiener trotz aller Aufmerksamkeit aus dem Ausland selbst entscheiden müssen. A Berlin, on vient de rouvrir l'ancienne ambassade italienne. Située à côté de l'ambassade japonaise, elle est une des plus belles ambassades de Berlin qui date du temps où l'Italie faisait partie avec le Japon et l'Allemagne de l'axe politique totalitaire. Les discussions actuelles entre l'Italie et l'Allemagne montrent, que l'actuel gouvernement italien pratique un style politique très autoritaire et que son chef, Berlusconi, le dirige pour la satisfaction exclusive de ses intérêts commerciaux. Toutefois, il y a assez de garde-fous dans la Constitution italienne pour que l'essentiel de la démocratie soit préservé. Un autre problème de l'Italie contemporaine est que la plupart des médias sont sous le contrôle direct du gouvernement. C'est pourquoi une critique publique qui vient d'autres pays européens est plutôt salutaire. Même si le Chancelier allemand cette année ne va pas passer ses vacances en Italie, suite aux propos malveillats de Berlusconi et d'un de ses ministres (désormais démissionnaire ) les Allemands vont continuer de passer leurs vacances en Italie, car ils gardent une certaine distance avec les affaires politiques. Klaus Karwat
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